Was bringt mir twitter?

Eine persönliche Betrachtung in mehr als 140 Zeichen

Der Microblogging-Dienst twitter spaltet die Nation. Viele halten den Informationskanal mit 140-Zeichen-Botschaften für Zeitverschwendung, andere schwören darauf, dass es ein unverzichtbarer Teil der modernen Kommunikationskultur sei.

Ich setze twitter ganz bewusst ein, um auf meine Dienstleistungen hinzuweisen und auf neue Informationen in meinen Blogs. An manchen Tagen setze ich zwei, an anderen Tagen mehr als zehn tweets, also Kurznachrichten, über twitter an meine Leserschaft ab. Selbstverständlich sind auch hin und wieder private Nachrichten dabei.

Was macht twitter für mich attraktiv?

Twitter ist schnell und direkt, das ist seine Stärke. Doch um twitter für sich zu gewinnen, gehört eine Portion Begeisterung dazu und eine gehörige Menge an Arbeitszeit. Twitter kann man nicht einfach so einschalten, sondern twitter will gestaltet werden. Deshalb ist twitter ein Kommunikationskanal, der eben nicht von jedem geliebt und genutzt werden kann und wird.

Ich zwitschere (to twitter = zwitschern) gerne, weil ich gezwungen bin, meine Gedanken in maximal 140 Zeichen zu fassen. Ich schätze diese Konzentration auf wesentliche Aussagen. Als Dienstleister bin ich gezwungen, mein Angebot kurz und präzise darzustellen. Das hilft mir in der Kommunikation mit Kunden. Die möchten meist keine langen Volksreden, sondern prägnante Informationen. Die Kunst, diese zu formulieren, lehrt mich twitter.

Ich zwitschere gerne, weil ich ebenso regional wie bundes- und weltweit Kontakte aufbauen kann. Das erweitert meinen Horizont. So lerne ich Gleichgesinnte oder mögliche Mitbewerber kennen, kann Allianzen schmieden beim Geschäftsaufbau und Vertriebskanäle öffnen, die mir bisher verborgen waren.

Ich zwitschere gerne, weil ich eine zusätzliche Informationsquelle bekomme, um mir eine Meinung zu bilden. Ich erfahre Stimmungen, etwa zum Tod von Michael Jackson oder Hintergrundinformationen zur Diskussion um die Atomenergie aber auch um die Forderungen der Piratenpartei zu Internetzensur. Viele Zeitungsartikel, Kommentare und podcasts werden per Link über twitter weiterverbreitet. Das bringt eine Meinungsvielfalt zutage, die einer demokratischen Gesellschaft angemessen ist.

Ich zwitschere gerne, weil ich einfach neugierig bin und auch mal BIOs, also Profile anderer twitter-Teilnehmer, ansehe, um zu erfahren, welche Personen sich hinter den tweets verbergen. Das ist ein bisschen Voyerismus, der aber nur möglich ist, weil viele Menschen sich auch gerne darstellen. Doch der Erkenntnis: „Es gibt nichts Interessanteres für den Menschen als den Menschen“ wird twitter vollauf gerecht.

Ja, aber.

Twitter raubt mir Zeit, die ich mit sinnvolleren Dingen verbringen könnte. Welche? Kontaktpflege und Informationsbeschaffung sowie Werbung in eigener Sache sind zentrale Aufgaben für mich.

Twitter-Meldungen sind belanglos und beliebig. Es kommt immer auf den Standpunkt an. Wer über seine angeschlagene Gesundheit klagt, findet er Mitleidende, Trost und vielleicht auch Hilfe. Wenn es mich nicht interessiert, lese ich den tweet eben nicht weiter. Ich wähle aus, was ich lesen, worauf ich antworten und welche Information ich selbst verbreiten möchte. Informationelle Selbstbestimmung nennt man das.

Twitter verbreitet Falschmeldungen, die Inhalte sind nicht überprüft. Ja, das weiß ich, und somit werde ich nicht jede Information für bare Münze nehmen. Mein eigenes Hirn ist immer noch gefragt. Ich kann mit anderen darüber einen Gedankenaustausch beginnen und den Wahrheitsgehalt von twitter-Informationen hinterfragen. Im Gegensatz zu Tageszeitung, Fernsehnachrichten und Rundfunk ist twitter ein Medium, das eine spontane und direkte Kommunikation mit dem Absender von Texten zulässt.

Twitter verbreitet viel Werbung und SPAM. Ja, das ist lästig. Twitter hat zum Glück jedoch die wunderbare Funktion, dass ich mir meine Absender und Empfänger von Nachrichten aussuchen kann. Während ich bei meinem E-mail-Konto einen Spam-Filter einbauen muss, der dennoch nicht verhindert, dass unerwünschte Nachrichten an mich gesendet werden, die mein Postfach zumüllen, blocke ich bei twitter einen Spammer und bekomme von dort keine tweets mehr zu lesen.

Twitter muss mit einer Vielzahl von Hilfsprogrammen ausgestattet werden, damit man eine Nutzen daraus ziehen kann. Niemand schreibt mir vor, welches der vielen Zusatzprogrammen ich nutze, ich darf aber aus einer Vielfalt mein auf mich zugeschnittenes Hilfsmenue zusammenstellen.

Und damit bin ich auch bei meiner persönlichen Schlussfolgerung: Twitter ist kein Selbstläufer.  Twitter bringt jedem das, was er möchte, wenn er es mit einer bestimmte Zielrichtung einsetzt und sich um twitter kümmert. Wer sich einen twitter-account einrichtet mit der Einstellung, mal sehen, was twitter mit mir macht, mit dem wird nichts passieren. Twitter setzt eigene Aktivität voraus, dann gibt es auch Reaktionen. Und man kann sich ganz leicht aus dem twitter-Geschehen verabschieden, indem man den Account einfach löscht.

Jeder darf, niemand muss. Ich will.

Norbert Schneider

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